Evoking Reality

Konstitution von Wirklichkeit in Fotografie und Videokunst

25. November 2018 — 10. Juni 2019
Daimler Contemporary Berlin

›Evoking Reality‹ stellt Positionen politischer Fotografie und Videokunst aus der Daimler Art Collection (DAC) vor, die Neukonzeptionen aktueller Realitätsbilder formulieren. Beginnend in den frühen 1990er Jahren erweiterte die DAC ihren Sammlungsschwerpunkt um Werke der Neuen Medien: Fotografie, Video, Objektkunst und installative Arbeiten. Die Neuerwerbungen wurden in der dreiteiligen Ausstellungsreihe ›Photography, Video, Mixed Media I-III‹ zwischen 2003 und 2007 im Berliner Ausstellungsraum Daimler Contemporary vorgestellt. Dieser Fokus auf Fotografie und Video ist seither intensiv weiterverfolgt worden. Die Sammlung umfasst heute ein stetig wachsendes Konvolut bedeutender Arbeiten, die zeitgenössische Perspektiven auf globale Thematiken und politische Konflikte visualisieren.

Die Ausstellung ›Evoking Reality‹ widmet sich zeitgenössischen Strategien, die sich von etablierten Darstellungsprinzipien und gängigen Narrativen des Fotojournalismus distanzieren, um ein offenes Wirklichkeitsbild entstehen zu lassen, das auf eine kritische Sensibilisierung des Betrachters zielt. Angesprochen wird ein kritisches Bewusstsein bezogen auf mediale Vermittlungs- und Darstellungsweisen, die das Auge mittels wiederkehrender Leidensbilder und Gewaltszenen seit Jahrzehnten prägen. Ausgehend von einer Re-Lektüre der Publikation ›Das Leiden Anderer betrachten‹ (2005) von Susan Sontag befasst sich die Ausstellung ›Evoking Reality‹ mit aktuellen medialen und konzeptuellen Herangehensweisen an politische, öffentliche und daraus resultierende private Konfliktsituationen. Das Ineinanderblenden von Fiktion, Inszenierung, Konstruktion und Realität verunsichert den Betrachter, der jene Verfremdungsstrategien zugleich unerwartet als realitätsstiftendes Moment erfährt. Offenheit und Vieldeutigkeit fordern den Betrachter auf, sich das Geschehen selbst zu erschließen, visuelle Impulse zu reflektieren und teils auch intellektuell zu revidieren. Wirklichkeit wird als fragiles Konstrukt erfahren, das aus unterschiedlichen Perspektiven stets seine Gestalt ändert. Die Werke dieser Ausstellung evozieren ein Realitätsmoment, das eben durch Vieldeutigkeit, Widersprüchlichkeit, Interkonnektivität und Relativität unsere globale Lebensrealität greifbar werden lässt.

Die jüngst erworbene zwölfteilige Fotoserie Congo Democratic (2006) von Guy Tillim, der 2004 Preisträger des  ›Mercedes-Benz Award for South African Art and Culture‹ war, wird erstmals in Berlin zu sehen sein. Zudem bilden fotografische Arbeiten u.a. von Jane Alexander, Clément Cogitore, Tacita Dean, Cao Fei, Pieter Hugo, Maya Zack und die Videoinstallationen Snow White (2001) von Bernie Searle, Mermaids [Erasing the Border of Azkelon] (2011) von Sigalit Landau sowie The amorous Indies (2017) von Clément Cogitore Schwerpunkte der Ausstellung.

›Evoking Reality‹ präsentiert Werke von sechzehn Künstlerinnen und Künstlern aus zehn Nationen:
Mustafah Abdulaziz (USA), Jane Alexander (ZA), Clément Cogitore (F), Tacita Dean (GB), Alia Farid (KWT), Cao Fei (CHN), Abrie Fourie (ZA), Pieter Hugo (ZA), Sigalit Landau (IL), Richard Mosse (IRL), Viviane Sassen (NL), Oskar Schmidt (D), Berni Searle (ZA), Guy Tillim (ZA), Sharif Waked (IL/PS), Maya Zack (IL)

Kuratiert von Renate Wiehager und Nadine Isabelle Henrich

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Künstler

Termine

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    Daimler Contemporary
    Kuratorenführung durch die Ausstellung - Evokative Realismen
    Clément Cogitore, Richard Mosse, Berni Searle, Maya Zack
    Die Führung geht auf die historischen und zeitgenössischen Konflikte sowie auf Situationen ein, die den thematischen Hintergrund der Werke unserer Ausstellung bilden: u.a. Holocaust, (Post-) Apartheid, (Neo-) Kolonialismus, Rassismus, Geopolitik, Klimawandel, Nahostkonflikt. Kennzeichnend für alle Arbeiten sind explizite Offenheit und Ambiguität. Diese Qualitäten überwinden den Neutralitätstopos des Dokumentarischen und lassen ein evokatives Potenzial entstehen, der für die Betrachterinnen und Betrachter neue Deutungsräume eröffnet. Fotografie und Video werden nach ihren Grenzen und Möglichkeiten, ihren gesellschaftlichen Funktionen und möglichen Instrumentalisierung in Bezug auf kulturelle, politische und wirtschaftliche Mechanismen und Machtverhältnisse hin befragt.
    Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung.
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    Daimler Contemporary
    Themenführung durch die Ausstellung - Geschichte als narratives Konstrukt
    Tacita Dean, Oskar Schmidt, Maya Zack

    Vor dem Hintergrund historischer Katastrophen reflektieren verschiedene Arbeiten der aktuellen Ausstellung traumatische Erinnerungen persönlicher und kollektiver Desaster. Die Führung widmet sich komplexen künstlerischen Analysen von Geschichte und beleuchtet das Verhältnis von individuellem Schicksal und nationaler Historie. Tacita Dean inszeniert mit historischen Motiven Geschichte quasi kinematografisch. Oskar Schmidt inszeniert Bildkompositionen ikonischer Fotografien mittels Re-Inszenierung. Maya Zack entwirft mittels digitaler Rekonstruktion einen traumatischen Erinnerungsraum.

    Die Führung findet in deutscher Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenlos.
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    Daimler Contemporary, 1.OG
    Fictive reality and real fictions – Film-Abend mit Clément Cogitore
    Clément Cogitore wurde 2018 für seine Videoarbeit "The Evil Eye" (2018) mit dem renommierten Prix Marcel Duchamp ausgezeichnet. Der Medienkünstler reagiert darin auf Aspekte von Trivialisierung und Anonymisierung im Kontext aktueller Bildzirkulation. Cogitores Werk zeichnet sich durch eine ausgeprägte visuelle Intensität und ein sicheres Gespür für das Erzählen von Geschichten aus, die von der Wirklichkeit ausgehen und an die Fantasie angrenzen. Die Erzählung einer Frauenstimme reist durch anonyme, stereotype Szenen des Aktienhandels global agierender Banken, die das Bildmaterial für Werbung und politische Kampagnen liefern. Diese preisgekrönte, jüngste Arbeit des Künstlers wird an diesem Abend erstmals in Berlin zu sehen sein.

    Weiterhin sehen Sie ein Screening des Films "Braguino" (48 min), ausgezeichnet mit dem Prix LE BAL. Der Film visualisiert den Alltag einer in Sibirien lebenden Familie und deren erbitterten Konflikt mit ihren einzigen Nachbarn inmitten endloser Einsamkeit. Cogitores Film erzählt auf poetische Art einen erschreckenden Moment des Versagens der Zivilisation und untersucht das Entstehungsmoment bewaffneten Konflikts. Im Anschluss wird Clément Cogitore über seinen Umgang mit den Konzepten von Fiktion und Dokumentation sprechen und Einblick in seine künstlerische und filmische Arbeit geben.

    Moderation durch Kuratorin Nadine Isabelle Henrich.
    Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Die Teilnahme ist kostenlos.
    Anmeldung erbeten unter: art.collection@daimler.com
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    Daimler Contemporary
    Themenführung durch die Ausstellung - Dispositivwechsel: Zwischen Journalismus und Kunst
    Mustafah Abdulaziz, Pieter Hugo, Richard Mosse, Guy Tillim
    Viele Foto- als auch Filmaufnahmen der Ausstellungen loten die Grenzen zwischen konventioneller Reportagefotografie und Positionen zeitgenössischer Kunst aus. Sie oszillieren zwischen reiner Dokumentation und technischer Verfremdung und auch institutionell zwischen fotojournalistischen Kontexten und musealen Ausstellungsräumen. Die Führung möchte diesen Transfer mit seinen unterschiedlichen Rezeptions- und Distributionsformen beleuchten. Schon die Rekontextualisierung des Einzelbildes innerhalb der vielen in der Ausstellung gezeigten Serie scheint eine Skepsis oder besser eine Bedingtheit der eigenen Erkenntnis zu artikulieren.
    Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung.
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    Daimler Contemporary, 1.OG
    The Wakhan Front - Neither Heaven nor Earth [Ni le ciel ni la terre] - Film-Abend
    The Wakhan Front - Neither Heaven nor Earth [Ni le ciel ni la terre] OmU
    Film des französischen Regisseur & Medienkünstlers Clément Cogitore
    mit einer Einführung der Filmwissenschaftlerin Friederike Horstmann

    Im Kontext unserer aktuellen Ausstellung ›Evoking Reality‹ zeigen wir den preisgekrönten Film The Wakhan Front - Neither Heaven nor Earth (2015) des französischen Filmemachers und Medienkünstlers Clément Cogitore. Afghanistan im Jahr 2014. Die internationalen Truppen ziehen sich allmählich zurück und Captain Antarés soll mit seinen Männern ein Tal überwachen, das für den Rückzug taktisch von großer Bedeutung ist. Alles scheint nach Plan zu verlaufen, bis die Soldaten auf mysteriöse Weise, unaufhaltsam, einzeln zu verschwinden beginnen. Die Omnipräsenz militärischer Überwachungstechniken lassen den paranoid observierenden Blick zur Metapher für den Krieg werden. Die furchtsam aufgerissenen Augen der Soldaten starren in die Dunkelheit, Sichtbarkeit wird transformiert und entzogen, der Feind bleibt ein Phantom. Durch Szenen wie diese entwirft Cogitore ein zeitgenössisches Anti-Kriegs-Epos, das die komplexen psychologischen Dimensionen bewaffneten Konflikts evoziert.

    Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung erbeten: nadine.henrich@daimler.com
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    Daimler Contemporary
    Themenführung durch die Ausstellung - Geschichte als narratives Konstrukt
    Tacita Dean, Oskar Schmidt, Maya Zack
    Vor dem Hintergrund historischer Katastrophen reflektierten verschiedene Arbeiten der aktuellen Ausstellung traumatische Erinnerungen als Schichtungen und Kompressen von persönlichen und kollektiven Desaster. Die Führung widmet sich komplexen künstlerischen Analysen von Geschichte und beleuchtet das Verhältnis von individuellem Schicksal und nationaler Historie. Während Tacita Dean mit historischen Aufnahmen eine neue Abfolge von Ereignissen quasi-kinematografisch inszeniert und Oskar Schmidt die Bildkompositionen ikonischer Fotografien mittels Re-Inszenierung vergegenwärtigt, entwirft Maya Zack durch digitale Rekonstruktion einen traumatischen Erinnerungsraum.
    Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung.
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    Themenführung durch die Ausstellung - Dispositivwechsel: Zwischen Journalismus und Kunst
    Mustafah Abdulaziz, Pieter Hugo, Richard Mosse, Guy Tillim
    Viele Foto- als auch Filmaufnahmen der Ausstellungen loten die Grenzen zwischen konventioneller Reportagefotografie und Positionen zeitgenössischer Kunst aus. Sie oszillieren zwischen reiner Dokumentation und technischer Verfremdung und auch institutionell zwischen fotojournalistischen Kontexten und musealen Ausstellungsräumen. Die Führung möchte diesen Transfer mit seinen unterschiedlichen Rezeptions- und Distributionsformen beleuchten. Schon die Rekontextualisierung des Einzelbildes innerhalb der vielen in der Ausstellung gezeigten Serie scheint eine Skepsis oder besser eine Bedingtheit der eigenen Erkenntnis zu artikulieren.
    Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Anmeldung.
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    Themenführung durch die Ausstellung - Geschichte als narratives Konstrukt
    Tacita Dean, Oskar Schmidt, Maya Zack

    Vor dem Hintergrund historischer Katastrophen reflektieren verschiedene Arbeiten der aktuellen Ausstellung traumatische Erinnerungen als Schichtungen persönlicher und kollektiver Desaster. Die Führung widmet sich den künstlerischen Analysen von Geschichte und beleuchtet das Verhältnis von individuellem Schicksal und nationaler Historie. Tacita Dean inszeniert mit historischen Aufnahmen eine neue Abfolge von Ereignissen quasi-kinematografisch, Oskar Schmidt vergegenwärtigt die Bildkompositionen ikonischer Fotografien mittels Re-Inszenierung. Maya Zack entwirft durch digitale Rekonstruktion einen traumatischen Erinnerungsraum.
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    Daimler Contemporary
    Three days and three nights – Performance
    Die deutsch-kubanische Theaterregisseurin und Performancekünstlerin Viviana Medina Medina inszeniert eigens für die Ausstellung ›Evoking Reality‹ eine Performance, die – mit Referenz auf die Jona-Erzählung (5.-3. Jh. v. Chr.) – zeitgenössische Wirklichkeiten der Migration evoziert. Der reale Fluchtversuch der jungen Kubanerin, Sandra dos Santos, in die USA bildet für Medina den Ausgangsimpuls dieser performativen Arbeit. Globale Bewegungen von Waren und Kapital werden einer erzwungenen Statik des Menschen gegenüberstellt. Während die zeitgenössische Kunst durch Figuren und Themen wie Immigranten, Exil, Touristen und urbane Wanderer (Nicolas Bourriaud) das menschliche Bedürfnis nach Freiheit und Migration spiegelt, ist die globale Wirklichkeit von Regulierung und Einschränkung menschlicher Bewegungs-Dynamiken bestimmt. Wo sonst das Auge auf die Flucht gelenkt wird, wählt Medina zwei andere Momente: den des Abschiedes und den der Ankunft. Die 30-minütige Performance lädt Besucher ein, in dieses Spannungsfeld. Im Anschluss an die Performance besteht Raum für ein Gespräch mit Künstlerin und Kuratorin.

    Viviana Medina Medina ist Theaterregisseurin und Performancekünstlerin. Sie studierte Literaturwissenschaften an der Freien Universität Berlin und Regie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Sie initiierte und realisierte diverse Kunst- und Theaterprojekte, zuletzt lud sie sieben Künstlergruppen ein, unter dem Titel "Schule der Moral" im ehemaligen Frauengefängnis Berlin-Lichterfelde 15-minütige Performances zu inszenieren.

    Der Eintritt ist frei. Die Teilnehmerzahl ist auf 35 Personen beschränkt.
    Anmeldung erbeten unter: maria.radke@daimler.com

    Stimme: Ruby Commey
    Kostüm: Clarissa Fuhr & Florian Kiehl
    Regie, Performance & Text: Viviana Medina Medina

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    Kuratorenführung - Evokative Realismen
    Clément Cogitore, Richard Mosse, Berni Searle, Maya Zack

    Evozierendes Potenzial verortet ›Evoking Reality‹ in künstlerischen Arbeiten, die explizite Offenheit, Ambiguität und Dissonanzen dem Neutralitätstopos des Dokumentarischen entgegensetzen und ein individuelles Moment von Wirklichkeitskonstitution entstehen lassen. Fotografie und Video werden auf ihre Grenzen und Möglichkeiten, ihre gesellschaftlichen Funktionen und Bedeutungen hin befragt. Die Führung diskutiert Darstellungskonventionen und deren Instrumentalisierung in kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Mechanismen und Machtverhältnissen. Nicht nur das Themenfeld individueller und kollektiver Dimensionen des Konflikts eint die Werke der Ausstellung, sondern insbesondere ihr komplexes, implizites Verhältnis von Form und Inhalt.

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