Joachim Bandau
Ohne Titel (Kabinen-Mobile), 1973/2015

Joachim Bandau studierte an der Kunstakademie Düsseldorf zunächst Freie Grafik und setzte anschließend seine künstlerische Tätigkeit als Bildhauer fort. Im Rahmen eines Arbeitsstipendiums des Kulturkreises im Bundesverband der deutschen Industrie fertigte er im Werk Sindelfingen der Daimler-Benz AG gemeinsam mit den Lehrlingen fünf kinetische Stahlblechskulpturen an, die menschliche Körperhaltungen paraphrasieren: Mit ausgestreckten Beinen sitzend zu fahren (120 x 70 x 14 cm), Sitzend zu fahren (155 x 70 x 110 cm), Kniend zu fahren (157 x 70 x 110 cm), Zurückgelehnt stehend zu fahren (215 x 70 x 110 cm) und Stehend zu fahren (208 x 70 x 110 cm). Die Fotografien dokumentieren die ersten Testfahrten dieser Plastiken. Fremdbestimmt rollen die Mobile – ausgestattet mit zwei Lenk- und zwei Hinterrädern, einem Antriebsrad, einem Scheibenwischer-Motor und einem Sehschlitz – mit 600 m/Stunde und ändern bei einem Aufprall automatisch die Fahrtrichtung. Indem Bandau die technische Umsetzung fern von funktionaler Rationalität denkt, führt er das Automobil als Fortbewegungsmittel ad absurdum. Dystopisch hinterfragt er die Mechanisierung des Menschen, was besonders vor der Folie aktueller Entwicklungen wieder neue Brisanz gewinnt. Formalästhetisch können die Mobile im Spannungsfeld diverser Bewegungen rezipiert werden: Die künstlerische Auseinandersetzung mit technischen Fragen knüpft an die Intentionen der futuristischen Bewegung an; als kinetische Skulpturen eröffnen sie der Bildhauerei neuen Spielraum, beziehen sich nicht mehr nur auf werkimmanente, formale Fragen; die kühle und distanzierte Wirkung und klare Formensprache der Objekte erinnern an Arbeiten der Minimal Art, jedoch stellt Bandau formale und ästhetische Fragen hinter inhaltliche Aspekten und Aussagen zurück. 1977 wurden die Kabinenmodelle im Kontext der Abteilung ›Fahrzeuge – Utopisches Design‹ während der Kasseler documenta 6 ausgestellt und anschließend auf dem Werksgelände der Daimler-Benz AG in Sindelfingen eingelagert. Seit der Umnutzung der Lagerhalle sind die Skulpturen nicht mehr auffindbar und allein die Fotografien verbleiben als Dokumentation dieser frühen Schaffensphase.

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